Damusch

 

Von Yusuf Yesilöz

Der US-Präsident Georg W. Bush und der irakische Präsident Saddam Hussein blicken heute aus unterschiedlichen Fenstern. Der eine, Bush der Fromme, spricht seit seinem Amtsantritt Kriegsrhetorik und plädiert noch für Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Freiheit. Er liebt das alles so enorm, dass er es mit Hilfe modernster Waffen und hunderter Milliarden Dollar (die Hungernden der Welt hätten diese Gelder ganz gut gebraucht) umsetzen möchte, wie viele Menschen auch immer dabei ihr Leben oder ihre Existenz verlieren.

Der andere, einst als säkularer Mann am Tigris von den USA und anderen westlichen Regierungen aufgezogen, nennt sich vollmundig einen Sprecher der islamischen Welt, die vor den Feldzügen der Haiden zu schützen sei. Dabei sollte er sich selber auslachen, denn seit seiner Machtübernahme vor rund fünfundzwanzig Jahren hat niemand so viele Moslems - irakische Araber, Iraner, Kurden, Schiiten, Turkmenen, sogar die eigenen Schwieger-söhne - umbringen lassen oder eigenhändig umgebracht.

 

Für mich gibt es ein drittes Fenster, nennen wir es «Damusch», aus dem die beiden (und ihre Anschauung) gemeinsam hinausschauen. Der eine braucht den anderen wie die Pflanze die Erde braucht. Bush ist entschlossen, besonders seit dem 11. September 2001, die ganze Welt, einschliesslich ihrer Ölfelder, unter die Hegemonie seines Landes zu zwingen. Die Probe vor anderthalb Jahren in Afghanistan konnte ihn nicht zufrieden stellen, denn Al-Kaida-Fürst Osama Bin Laden und der einäugige Taliban-Chef Omar schicken noch immer fiese und beängstigende Grüsse an seine Adresse. Bush braucht noch mehrere Saddams, um seine Absichten zu legitimieren. Saddam seinerseits braucht die Politik Bushs, so kann er am besten die Gegner der USA, vorwiegend in der islamischen Welt, auf seine Seite ziehen.

 

Wir haben noch ein Gedächtnis: Am 16.03.1988 tötete Saddam in Halabca rund fünftausend Kurden mit Giftgas. Nicht Grund genug, gegen ihn vorzugehen. Am 02.08.1990 besetzte Saddam das Ölreich Kuwait. Vier Monate später regneten US-Bomben auf seinen Kopf. Wir Menschen, die wir uns nach Frieden sehnen, sind im Sandwich der Politik gelandet. Was haben wir zu sagen? Unglaubwürdig sind beide Herren, samt ihrer Crew. Werft einen auf den anderen!

 

Yusuf Yesilöz kam 1987 als kurdischer Flüchtling in die Schweiz. Der Schriftsteller (zuletzt «Der Gast aus dem Ofenrohr», Rotpunktverlag) und Übesetzer lebt in Winterthur