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Herren
©
züritipp (Tages-Anzeiger);
2002-11-15; Seite 5
Von
Yusuf Yesilöz
Yusuf
Yesilöz kam 1987 als kurdischer Flüchtling
in die Schweiz. Er lebt als Schriftsteller
(zuletzt «Der Gast im Ofenrohr»,
Rotpunkt Verlag) und Ubersetzer in
Winterthur.
Mit
ihrer neuen Initiative missbraucht die äusserst
unruhige Schweizerische Volkspartei einmal
mehr das Wort Asyl. Nach erlittenen
Niederlagen - etwa bei der Abstimmung zum
Uno-Beitritt - brauchen die Herren offen-
bar wieder einen Erfolg. Allerdings: Nicht
einmal die puber- tierenden Männer, die
sich nun behaupten wollen, können
selbstbewusst auftreten, wenn sie gefragt
werden, ob ihre Initiative das Flüchtlingsproblem
lösen kann. Stattdessen picken sie ein
paar Krimi-Fälle zum Stimmenfang heraus.
Die
jungen Westafrikaner, die das Kokain der
Gross-händler verteilen, kommen der SVP
wie gerufen. Eigentlich müssten die
reichen SVP-Funtionäre diese Afrikaner
dafür bezahlen, dass sie so ideal als
Dornen im Auge dargestellt werden können.
Beim nächsten Wahlkampf findet sich
sicher eine andere Gruppe von Drogenverkäufern.
Ohne
Kokainverbraucher gäbe es auch keine
Dealer, wie selbst die Schweizer
feststellen. Es ist schade, dass
Rechts-populisten immer wieder versuchen,
das Schweizervolk hinters Licht zu führen.
Politiker wie Bürokraten, Hilfswerke wie
anständige Menschen begründen wortreich,
warum sie von der Asyl-Initiative nichts
halten, weil sie untauglich und
menschen-verachtend ist.
Dem
Chor der CH-Hüter aber schlossen sich
andere, hochmo- derne Kreise des Landes
an. So etwa die «Weltwoche» mit einer
Titel-geschichte Ende Oktober, die durch
billige Provokation auf Auflageer- höhung
zielte. Der Journalist - eigentlich wäre
er ein guter Buchhalter für ein
Schlachthaus - leidet offenbar so stark
unter Alpträumen, dass er die
schrecklichsten Geschichten der
schlimmsten Asylbewerber zusammengekratzt
hat, um seinen Artikel zu begründen. Ein
Beweis dafür, dass die modernen Herren
sich als Feuerzange des Rechtspopulismus
zur Verfügung stellen. Ich hingegen kenne
Flüchtlinge, die an Schweizer Universitäten
lehren, Cars für Pensionierte fahren, im
Spital arbeiten oder Restaurantketten
betreiben.
Der
Buchhalter berechnet auch, dass ein Flüchtling
die Schweiz eine Million Franken kostet.
Seine Intelligenz glänzt! Diese Art von
Buchhaltung muss er bei der finanziell
nach unten steuernden «Weltwoche»
gelernt haben. Rech-nen kann jeder: Gemäss
einer Nationalfondstudie kostet ein Kind
in der Schweiz die Eltern eine Million
Franken. Rechnen wir nur fünfzigtausend
Flüchtlingskinder, die in der Schweiz
bleiben und die hiesige Zukunft
mitgestalten werden, so ergibt das 50
Milliarden Franken.
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