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Hilfe
©
ProLitteris / Yesilöz Yusuf / züritipp
(Tages-Anzeiger); 2001-07-20; Seite 5;
Nummer 29
Von
Yusuf Yesilöz
Wie
die einen mit dem Begriff Solidarität
beabsichtigen, ihrer verdurstenden
Revolution einen Schluck Wasser zu geben,
beruhigen andere durch Hilfe an Bedürftige
ihr schlechtes Gewissen. Im Islam ist
jeder überzeugt, dass er ins Paradies
geht, wenn er hilft. Egal was er in seinem
Leben sonst verbrochen hat, Helfen und die
Pilgerreise nach Mekka, wo man den Titel
Hadschi erwirbt, würden alle Wege zum
Paradies frei machen. Hilfsorganisationen
in der Schweiz haben ihre Sammel- und
Ausgabemethoden so weit
institutionalisiert, dass man das Gefühl
hat, bald begründen sie die Notwendigkeit
der Hilfe mit dem neusten
Entwicklungsstand der Wissenschaft.
Einmal
vor vielen Jahren war eine Kampagne im
Gange, die sich mit einem Krankenhaus in
Afrika solidarisierte. Pardon, die ein
Spital unterstützte. Der Termin für den
Apéro wurde lange im Voraus angekündigt.
Die vom bekanntesten und wohl nicht
billigsten Grafiker der Region entworfenen
Plakate klebten an jedem Kandelaber der
Stadt. Eine schlanke Afrikanerin, die auf
einem Tablett über dem Kopf Mangofrüchte
trug, lächelte den Schaulustigen an. Ihr
folgten zwei Kinder ohne Kleider am Oberkörper.
Lokale Künstler, böse Zungen, die wohl
einmal in Paris waren, in der Hoffnung
ihre Bekanntheitsstufe zu erhöhen,
meinten, dass diese Frau keine gewöhnliche
Afrikanerin sei, sondern eine in Paris
lebende Modedame. Am Tag der Vernissage in
einem Personalrestaurant fand sich die
Prominenz geschlossen ein. Der Herr
Direktor begrüsste den Regierungsrat, den
Stadtpräsidenten, die Chefs namhafter
Baufirmen, die Vertreter der Kirche. Auch
der anwesende Grafiker bekam viel Applaus.
Zwei Mitarbeiterinnen einer Weinhandlung,
die in ihren Outfits sogar die schicke
Frau des Chefarztes übertrafen, bedienten
die Gäste mit bestem Wein der Region.
Dieser Wein würde aufs Vorzüglichste zu
Spargeln munden, hörte man eine zu einem
älteren Herrn sagen.
Ab
diesem Tag sollten Krankenschwestern die
gebrauchten Operationshandschuhe nicht
mehr zum Abfall werfen, sondern in einen
roten Kübel. Der Regierungsrat hatte
seine Hilfe angeboten, die Transportkosten
der im Schweizer Spital artgerecht
sterilisierten Handschuhe nach Afrika zu
übernehmen. Für das ebenfalls
verschenkte gebrauchte Röntgengerät könne
man das nicht, weil die Bürokratie ermüdend
sei.
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