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Hungern
gegen Wände
Dokumentarfilm,
Schweiz 2003
von Yusuf Yesilöz
Länge: 52 Minuten
3sat
Der
Dokumentarfilm von Yusuf Yesilöz zeigt,
wie Cemal Miran mit seiner Erinnerung und
seiner Behinderung den Alltag in der
Schweiz meistert. Ein Film über Unterdrückung
und Folter, aber auch über Freundschaft
und Sehnsucht.
1980
wird der kurdische Student Cemal Miran,
der sich der demokratischen kurdischen
Bewegung angeschlossen hat, in der Türkei
verhaftet, auf massivste Art gefoltert und
von einem Militärgericht zum Tode
verurteilt. Gegen die Schikanen im Gefängnis
wehrt er sich mit einem vierzehntägigen
Hungerstreik, er fällt ins Koma und wacht
als behinderter Mensch auf. 1989 wird das
Todesurteil aufgehoben, Cemal Miran wird
freigelassen und flieht 1993 in die
Schweiz
"Hungern
gegen Wände" ist das Portrait von
Cemal Miran, der wegen seines politischen
Engagements für die Kurden insgesamt neun
Jahre in türkischen Gefängnissen
inhaftiert war. Ein Mensch, der wegen
seiner Überzeugung in den Hungerstreik
getreten ist. Er wollte, wie viele andere,
gegen die Folter in den Gefängnissen
protestieren und die dramatische Lage der
politischen Gefangenen in der Öffentlichkeit
bekannt machen. Mit dem langen
Hungerstreik setzte er sein Leben aufs
Spiel. Zwar entkam er dem Tod, doch er
erwachte aus dem Koma mit Lähmungen.
Diagnose: "Zerebrale Atrophie",
eine Krankheit die viele nach dem
Todesfasten wegen Mangelernährung
erleiden.
Der Alltag von Cemal als behinderter
Mensch und Flüchtling in der Schweiz, ist
dem anderer Flüchtlingen ähnlich, die in
den Westen kamen und versuchen, ein neues
Leben aufzubauen. Darüber hinaus hat
Cemal den Alltag eines Behinderten zu
meistern, der in seinen Entfaltungsmöglichkeiten
und Zukunftsaussichten an enge Grenzen stößt.
Neue
Freunde in der Schweiz und Freizeit
Der
Autor begleitet Cemal in die geschützte
Werkstatt, in der er vormittags arbeitet
und besucht mit ihm Dogan und Zeliha
Turan, welche die traditionelle kurdische
Gastfreundschaft in ihrem Cafe-Kiosk im Zürcher
Kreis 4 weiter führen. Sie haben Cemal in
der ersten Zeit in der Schweiz
aufgenommen, heute ist er ihr Freund und
gerngesehener Gast. Der Film zeigt Cemal
beim Besuch einer Lesung des Dichters Ali
Bicer in Bern. Dieser bringt seine
Hafterlebnisse in Gedichten und ironischen
Geschichten zur Sprache. Zwei Begegnungen
mit Haft- und Hungerstreikkollegen ergänzen
die Erzählungen von Cemal und
reflektieren auch, wie unterschiedlich
Menschen das Erlebte verarbeiten. Recep
Marasli, ein bekannten Publizist, lebt
heute in Berlin. Durch ihn erfahren wir
Geschichten aus der gemeinsamen Haft- und
Folterzeit. In seiner wunderbaren
Bildersprache wird er uns über Cemal
berichten, dem Cemal von damals, den er
als energischen jungen Mann in Erinnerung
hat.
Rusen
Arslan, der einst renommierte
Rechtsanwalt, lebt seit achtzehn Jahren in
Deutschland. Wir treffen ihn in Hamburg,
wo er heute als Kurier im Schneiderladen
seiner Frau arbeitet und lebt. Er klärt
uns über die juristische Situation der Häftlinge
von damals auf und gibt anhand der
Geschichte von Cemal einen Eindruck von
der korrupten türkischen Justiz.
Durch Cemal und die Begegnungen mit seinen
Freunden und ehemaligen Haftkollegen
versucht der Film, eine Türe zu öffnen,
um die Situation der damaligen Gefangenen
und ihr heutiges Leben als - zum Teil
behinderte - Flüchtlinge besser verstehen
zu können. Im Mittelpunkt stehen nicht
die politischen Themen selber, sondern die
Betroffenen. Die Gründe, weshalb jemand
bereit ist, sich zu Tode zu hungern, möchte
der Autor anhand von Cemal - vor dem
politischen Hintergrund der Türkei - dem
Publikum nahe bringen
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