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Yusuf
Yeşilöz: Der
Gast aus dem Ofenrohr.
Roman.
Rotpunkt Verlag, Zürich 2002
200 S., Fr. 30.00
ISBN 3-85869-230-1
Michael Schwarz
„Der Gast aus dem Ofenrohr“ ist eine
kurdische Redewendung für einen
hereingeschneiten Gast. Ungebeten klettert
der Ich-Erzähler über einen hohen Zaun,
um als kurdischer Flüchtling in die
Schweiz zu gelangen. Er musste aus
Anatolien fliehen „wegen Büchern“,
die nicht auf der Liste des türkischen
Erziehungsministeriums standen. Aber erzählt
wird nicht die Flucht, sondern die Ankunft
in der Schweiz, die Erinnerungen an das
Leben im kurdischen Dorf und die Situation
anderer kurdischer Flüchtlinge.
In der Schweiz ist es Winter. Der Flüchtling
kommt in eine kalte, abweisende Welt, die
er nicht versteht – nicht nur, weil er
die Sprache nicht kennt. Als er seinen
Asylantrag einreichen will, antwortet er während
der Befragung auf kurze Fragen mit langen,
farbigen Geschichten. Seine Art, sich
auszudrücken, ist aber von den Behörden
nicht gefragt.
Hilfe und Unterstützung findet er bei
einem entfernten Verwandten, der schon elf
Jahre freiwillig in der Schweiz als Küchenbursche
arbeitet, und bei den Kollegen im
Durchgangsheim. Ein Magengeschwür bringt
ihn ins Spital. Dort fasst er den Vorsatz,
Deutsch zu lernen. Ein Wörterbuch ist
sein „Koran“. Wie gelingt es ihm, in
einer anderen Kultur Fuss zu fassen?
Yusuf Yeşilöz beschreibt sprachlich
sehr gekonnt und in ausdrucksvollen Bilder
die ersten Wochen des Lebens eines Asyl
Suchenden. Weil darin viele eigene
biographische Erfahrungen des Verfassers
verarbeitet sind, gibt das Buch einen
guten authentischen Eindruck in ein Flüchtlingsschicksal.
Yesilöz,
Yusuf: Reise
in die Abenddämmerung.
Erzählung
Rotpunktverlag, Zürich, 1998
156 Seiten, Fr.
Katrin
Ruchti-Fehr
Die Kurden kennen wir vor allem aus den
Nachrichten und aus den Schlagzeilen der
Zeitungen. Wie aber sieht der Alltag einer
kurdischen Familie neben einem türkischen
Militärposten aus?
Ein Militärkommandant im Osten der Türkei
möchte befördert werden. Um das zu
erreichen, braucht er eine bestimmte
Anzahl festgenommener kurdischer
„Terroristen“.
Haso, Vater von zwei Kindern, ist ein
solcher „Terrorist“. Obwohl er sich
nicht für Politik interessiert, teilt er
nach kurdischem Gastrecht seinen
Hirtenproviant mit den Untergrundkämpfern.
Aus diesem Grund wird er verhaftet und
gefoltert. Um weiteren Schikanierereien zu
entgehen, schliesst er sich nach seiner
Freilassung den Kämpfern in den Bergen
an. Das hat Folgen für seine Familie,
denn jetzt wird Fate, seine Frau von den
Militärs tyrannisiert.
Mit einfachen Worten schildert Yusuf Yesilöz
das Leben dieser Menschen. Der kurdische
Autor, welcher seit zehn Jahren in der
Schweiz lebt, gibt uns die Möglichkeit,
mehr über Kultur und Traditionen seines
Volkes zu erfahren und somit
gewissermassen hinter die Schlagzeilen der
Tagespresse zu blicken.
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